von mac am Sonntag 10. Mai 2009
Im Rahmen meines langsamen Erwachens bediene ich mich der Techniken des Vipassana. Diese Form der Meditation versuchte ich nun meinem Sohn zu erklären. Dabei sprach ich mit ihm über das Beobachten. Und das dies wohl der schwierigste Teil bei der ganzen Sache sei. Wie kann ich denn nun zum perfekten Beobachten gelangen?
Betrachte ich meine Selbstbebachtung doch einfach als Naturbeobachtung. Wie der Ameisenforscher. Der schaut sich einen Ameisenhügel an und stellt wohl am Anfang seines Beobachtes fest, wie durcheinander und unstrukturiert so ein Ameisenhaufen ist. Alles ist kreuz und quer – der Blick fällt mal dahin, mal dorthin. Aber wenn der Forscher nun mehr Zeit mit diesem Ameisenhaufen und dem Beobachten des Haufens verbringt, so wird er immer mehr Strukturen erkennen können. Das Chaos lichtet sich. Andere Details treten hervor, die Anfangs in dem ganzen Gewimmel gar nicht aufgefallen sind.
Aber was macht nun der perfekte Beboachter diesen Ameisenhaufens bei Störungen? Was tut er, wenn beispielsweise ein Tannenzapfen von einem über dem Ameisenhaufen stehenden Tannenzweig mitten in den Ameisenhaufen fällt? Auf einmal ist das Chaos wieder da. Alles wirkt wieder unstrukturiert. Aber der perfekte Bebachter schaut dabei nur zu. Er greift nicht ein. Er betrachtet die Störung als Teil seines Bebachtens. Er ist ja ein Ameisenforscher und alles was passiert, ist Teil des Forschens.
Die Störungen kommen und gehen. Und immer wieder steht der Ameisenforscher vor der Herausforderung, sich tatsächlich auf das reine Beobachten zu beschränken. Nach einem Gewitter beispielsweise braut sich gar grosses Ungemach zusammen. Mehrere Rinnsale vereinen sich zu einem immer grösser werdenden Fluss und drohen den ganzen Ameisenhaufen wegzuschwemmen. Soll er nun eingreifen? Sind solche Existentiellen Störungen noch tolerierbar?
Aber er beschränkt sich immer wieder und besinnt sich auf seine eigentliche Aufgabe. Der des reinen Beobachtens. Ohne teilzunehmen. Eine wahre Kunst.